Der siebente Tag

Formuliert das Dasein selbst die Frage nach dem Woher?

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15 Gedanken zu „Der siebente Tag

  1. Die Frage tut ein bißchen so, als könnte der „Zeitgeist“ denken. Anders als Sie jetzt träumt er wahrscheinlich nicht einmal (schon, daß er ein Geschlecht habe, ist mehr als nur vage). Das Dasein als eine denkende Entität; zu denken bedeutet fast prinzipiell, einen Sinn zu unterstellen; dabei, so meine Überzeugung, interpretieren wir einen, also erschaffen ihn. Wir, nicht es.

  2. ich glaube oder besser denke, dass die frage nach dem sinn nicht entschieden werden kann, geziehungaweise auf verschiedenen ebenen verschiedene antworten braucht. eine in jedem punkt sinnfällige welt wäre wahrscheinlich grauslig. sinn entsteht/existiert/ wird auf verschiedenen ebenen vereinbart. deren einfluss aufs ganze bleibt strittig.

  3. Ich halte es für erstaunlich, daß es nicht nur überhaupt etwas gibt, sondern zum Unbelebten, das für sich schon so mannigfaltig ist, noch das Phänomen des Lebens kommt, welches sich, dritter Schritt, Bewußtseinsformen entwickelte, die die beiden anderen Welten und sich selbst zu beschreiben und auszudrücken versuchen. Daß Natur also revolutionär Kultur ausbildet. Wir Super-Primaten sind dessen Träger (und damit im Problem), aber ich höre, neukaledonische Krähen und Delphine waren nicht weit davon entfernt, ebenso ins Offene zu gelangen. Daß die Natur – bei Dir die „Schöpfung“ – sich also selbst generiert und dann sogar über ein bewußtes Sein empfindet, handelt, sich Fragen stellt und „Sinn“ beizulegen versucht, das ist eigentlich das Wundervollste, was ich je empfand. Und sicher: Ein Drama sondergleichen!

  4. „sich selbst zu generieren“ setzt einen bewußten Prozeß voraus: Wie Sie es schreiben, ist es eine theologische Idee, die aber eben infrage steht, nicht als Mythos – der ja erzählt werden muß -, sondern als mögliches und/oder unmögliches Faktum; allenfalls läßt sich sagen, daß ein – allerdings verschwindend kleiner – Teil der Natur Kultur ausbilde; wobei Kultur, basal, eben die Frage nach den Ursachen und die Folgerung auf die Folgen wäre: cultura/Ackerbau. Alles andere läßt sich davon möglicher-, bzw. wahrscheinlicherweise ableiten. – Dennoch, Herr Bosselmann, ist das fast schon ein Schlußwort und so schön, daß ich’s von Herzen mit unterschreiben wollte. Wir können etwas als Wunder sehen.
    Ja.

    • ein moment kann es nicht geben, hi hi..weil ein moment immer schon zwei moment sind. schöpfung moment mal schöpfung moment mal hi hi

  5. Nun ja, die Fähigkeit zu denken führt zur Frage. Das Tier fragt sich wahrscheinlich nicht, woher es kommt, hat aber sehr wohl einen Orientierungssinn. So gesehen formuliert das Dasein weder eine Frage noch sonst etwas, sondern IST DA. Das Nichts-Formulieren-Müssen ist dann vielleicht auch eine Sehnsucht, oder woher kommt die Magie beim Anschauen von Tierfilmen (oder, noch besser, Betrachten von Tieren in der Natur)? Derrida sieht übrigens schon unseren Begriff „Tier“ als problematisch an, insofern er „eine mannigfaltigkeit von Wesen“ in einem einzigen Begriff zusammensperrt (Derrida: Das Tier das ich also bin).

  6. Derrida dudu. Das Denken kann sich für das Nichtdenken entscheiden, aber das Nichtdenken kann sich nicht für das Denken entscheiden. Die Weisheit kann in die Dummheit flüchten, aber die Dummheit kann nicht in die Weisheit flüchten. Wer die höchste Weisheit zugleich die höchste Dummheit nennt, der ist nicht mehr dumm, sondern weise. Wer das Tiersein einmal verlassen hat, kann es nie wieder betreten. Oder nur über den Hintereingang des Menschseins. Aber dann ist er trotzdem kein Tier mehr.

  7. Am siebten Tag verlor Gott die Geduld

    Am siebten Tag begrub Gott die Zuversicht
    Und machte einen Riss durch die Welt
    Aus der Leichtigkeit erwuchs die Schwerkraft
    Und die Schlange schichtete Lärm in die Stille
    Gott nannte es Gedanken
    Und die Nacht empfing den Tag
    Und der Tag gebar die Nacht
    Adam sah dass er verloren war
    Eva nickte und setzte zwei Kinder in die Welt
    Auf dass das Verhängnis seinen Lauf nehme
    Damit jemand eine Kiste bauen konnte
    Viereckig wie ein Verrat
    Vater – Mutter – Kain und Abel
    Eine Kiste in der kein Platz ist für Verheißungen
    Und Hoffnung
    Eine Kiste in der vielleicht Ruhe ist
    Und diese Art dunkel
    Über die man getrost die Augen schließen kann
    Weil man weiß
    Gott versenkt die Kiste
    Und verzichtet auf einen neuen Versuch

  8. „Ich
    besuchte Hamada. Er erhob sich vom
    Rad und sagte: „Ergebnisse interessieren mich
    nicht; nur das Weitermachen.“
    (aus: John Cage, Empty Mind)

  9. Was isst der Schöpfer am Sonntag Mittag?
    oder wacht er erst am Abend auf, wenn
    Opferrauch ihm in die Nase steigt, mag er
    Gegrilltes lieber als Gekochtes? Trinkt er
    Bier dazu, lädt er den Teufel ein? Nein!

    Gott klatscht in die Hände am Abend
    und holt dann das Kästchen mit dem Gras
    Baut der liebe Gott sich eine große Tüte
    vergisst er jedes Augenmaß. Und Gott kifft
    am Sonntag Abend, juchhei, Er kifft und kifft.

  10. Zum „Weitermachen“ fiel mir einmal dieser Text ein:

    Prometheus steinalt

    Er erwachte, es war kalt
    und verdriesslich,
    ungeschaffen die Stadt wie am
    frühesten Tag,
    über der endlosen Fläsche
    Land und Meer
    nichts als kreischende Möwen,
    abstossende wächserne Halme
    und Blätter.
    Keiner,
    der ihn geheissen hätte,
    was zu beginnen und
    wie.

    Taumelnd schritt er,
    die Augen reibend,
    übers stumpfe Gelände hin.

    (Roland Erb)

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